Aus aktuellem Anlass


... die Elektronische Kurkarte

Der Begriff "elektronische Kurkarte" wird in letzter Zeit so oft erwähnt wie kaum ein anderer Artikel. Leider werden dabei auch so viele Halbwahrheiten wie bei kaum einem anderen Begriff verbreitet.
An dieser Stelle möchten wir, auszugsweise, etwas Licht in den Dschungel der Aussagen bringen.
 

Die "elektronische Kurkarte" ist nicht zwangsläufig eine Chip- oder Magnetstreifenkarte oder andere Plastik-Trägervariante, sondern wird in der Einstiegsvariante meistens, wie auch jetzt bei uns in Kühlungsborn, die Papierform sein.

Seit der Einführung der "elektronischen Kurkarte" im April 2019 in Kühlungsborn, wird diese zur "Echtzeitregistrierung" der Gastankünfte und auch als Meldeschein genutzt.
Dadurch stehen der Stadt Kühlungsborn erstmalig die Daten der tatsächlich in unserem Ostseebad verweilenden Gäste zur Verfügung.
Zum Vergleich - im bisherigen Erfassungsverfahren waren die Informationen zu den Übernachtungszahlen, je nach Abgabeintervall der Einreicher, erst zwischen 3 und 8 Wochen nach der Gastabreise verfügbar. 

Die nächsten möglichen und empfehlenswerten Schritte könnten und sollten u.a. sein:

  • die Echtzeitkontrollmöglichkeit als QR- oder Strichcode auf den Kurkarten aufdrucken
  • die QR- oder Strichcode per Scanner von den Kurtaxkontrolleuren prüfen lassen
  • Einlasskontrollen zu Veranstaltungen (auch bei Eintritt frei) bei denen der QR- oder Strichcode geprüft wird, damit auch eine quantitative Beurteilung von Veranstaltungen möglich wird und auch Rückschlüsse auf deren Notwendigkeit geführt werden können, um gegebenenfalls in den Folgejahren umdisponieren zu können.
  • Kombination mit Parkplatzbezahlsystemen, bei denen auch bei Tagesbesuchern die Kurtaxe gleich mitkassiert wird
    (durch das ausbleibende Lösen von Tageskurkarten sind die meisten Ausfälle der der Kurtaxe zu vermuten! Wahrscheinlich gibt es hier eine sechsstellige Dunkelziffer, auf die jahrelang verzichtet werden musste.)
    •     und vieles mehr .....

Der nächste Schritt kann die Erweiterung der elektronischen Kurkarte zur Gästekarte bzw. Touristenkarte werden.

  • hier müssen dann die touristisch-gastronomischen Leistungsträger, z.B. durch Umlagefinanzierung, ihre Angebote integrieren
  • denkbar ist auch die Nutzung der Karte als Ticket für einen Stadtbus, als Ermäßigung oder sogar Befreiung
  • bei entsprechender Vertragslage wäre wahrscheinlich auch ein Leistungsabkauf für den Molli möglich

 Die "Königsklasse" der Kartennutzung wäre dann auch der Einsatz als Regionsverbundkarte.

  • Nachbargemeinden, einzelne Orte oder auch Destinationsgemeinschaften können sich hier als schlüssige Verbundgemeinschaften präsentieren und ihre Leistungspakete gemeinsam präsentieren.
  • Ein hervorragendes Beispiel bieten hier die Kaiserbäder, neuerdings auch die Bernsteinbäder. Durch recht übersichtliche Erhöhungen der Kurtaxe, wird den Gästen und Einheimischen ein beachtliches Leistungspaket zur Verfügung gestellt. Selbst Landesmittel werden für solche Projekte zur Verfügung gestellt.

Wir könnten jetzt hier noch endlos Beispiele und Erklärungen geben, allerding macht es mehr Sinn kompetent und zielstrebig an der Umsetzung der geplanten Maßnahmen zu arbeiten.


  

TSK und TFK

Wie mir die Reaktionen auf meine kritischen Anmerkungen am 14. Mai in der Ostsee-Zeitung zeigten, besteht bei den Kühlungsbornern eine große Unwissenheit bzw. fantasiebelegtes Halbwissen zu diesem Thema.

Hier ein kurzer Abriss:

Nachdem in der Nachwendezeit in Kühlungsborn zahlreiche Kurdirektoren scheiterten bzw. verschlissen wurden, beschlossen die touristischen Akteure 2001, unter Beteiligung der Stadt Kühlungsborn, die Gründung der "Touristik-Service-Kühlungsborn GmbH" kurz TSK genannt.
Satzungsgemäßer Gegenstand dieses Unternehmens ist die Durchführung von Werbung und Marketing für den Tourismus im Ostseebad Kühlungsborn. Die Stadt Kühlungsborn übergab, per Aufgabenübertragungsvertrag,  der TSK die Durchführung der touristischen Aufgaben.
Dies funktionierte bis Ende 2017 hervorragend und beispielhaft. Deutschlandweit beneideten uns viele Orte um diese Lösungsvariante.
Ende 2017 kündigte die Stadt Kühlungsborn, die mittlerweile ihre Gesellschaftsanteile an der TSK veräußert hat, fristgerecht den Aufgabenübertragungsvertrag um die mittlerweile notwendig gewordene europaweite Ausschreibung der touristischen Leistungsvergabe vorzubereiten.
In diesem Ausschreibungsverfahren bei dem sich die TSK unter großen Aufwendungen bewarb, gab auch nur die TSK, jetzt als einziger Bieter, ein Angebot ab. Bei erfolgter und von allen erwarteter Auftragsvergabe hätte die TSK also mindestens bis 2023 (zuzüglich weiterer Optionsjahre) den Zuschlag für diese Tätigkeiten erhalten können und die bewährte Arbeit fortsetzen können.
Am 08.02.2018 wurde dieser Lösungsweg durch einen einstimmigen Stadtvertreterbeschluss jäh unterbrochen.
In einer eilig vom Bürgermeister einberufenen Sondersitzung wurde beschlossen, die touristischen Aufgaben einer noch zu gründenden 100%-Tochter-GmbH der Stadt Kühlungsborn zu übergeben.
Soweit die nüchterne Betrachtung.

Nun aber auch hier die teilweise nicht mit logischem Verstand nachvollziehbaren Fakten:

  • der Stadtverteterbeschluss fand unter großem Zeitdruck statt
  • kein Stadtvertreter hatte eine Chance mit Fachgremien oder Kompetenzträgern über eventuelle Konsequenzen zu beraten und diese Beschlussvorlage zu hinterfragen, allerdings ließen sich alle Stadtvertreter von dieser fraglichen Richtigkeit überzeugen (einstimmiger Beschluss) wo war hier die transparente Bürgerbeteiligung?
  • erst auf Drängen der TSK-Gesellschafter übergab der Bürgermeister Ende März 2018 den Gesellschaftern eine Information zu diesen Vorgängen
  • erst am 22.12.2018, also 9 Tage !!, bevor die städtische Tourismus, Freizeit & Kultur GmbH Kühlungsborn, kurz TFK genannt , den offiziellen Betrieb aufnahm, übergab der Bürgermeister der TSK einen ersten Vertragsentwurf.
    (TFK, TSK .... Verwechslungsgefahr? ein Schelm wer Böses dabei denkt.....
  • heute, am 16.05.2019, also 136 Tage nach Arbeitsbeginn der TFK gibt es immer noch keinerlei vertragliche Lösungen.
    Dies bedeutet, dass die städtische TFK nach wie vor mit den "Werkzeugen" der TSK arbeitet.
    Dazu gehören: Mobiliar, EDV-Systeme, Lizenz-und Markenrechte und vieles Anderes mehr.
  • ...und die STADTVERTRETER hinterfragen ihre eigenen Beschlüsse in keiner Weise und lassen den Bürgermeister unkritisiert in dieser unhaltbaren Arbeitsweise agieren.

Alle zu diesen Geschehen gehörenden Beschlussdokumente finden sie im Webauftritt der Stadt Kühlungsborn.

Reiner Kukeit

(16. Mai 2019)