Klimaschutz


Kühlungsborn und der Klimawandel

In den letzten beiden Ausgaben des Weitblicks haben wir ausführlich über den Klimawandel und notwendige Maßnahmen berichtet. Genützt hat es bisher relativ wenig; man merkt nichts davon. Die durchgeführten Maßnahmen in Kühlungsborn hatten ihre Ursache nicht in der begründeten Sorge um unser Klima, sondern waren aufgrund behördlicher Auflagen, ausgelöst durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine durchgeführt worden. Sie bezogen sich im Wesentlichen – konzentriert auf die Stadtverwaltung – auf die Reduzierung von Energie (Schwerpunkt Gasverbrauch) und die Planung von Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden. Ohne diese Situation wären wir noch immer im klimapolitischen Dornröschenschlaf.

WAS IST ZU TUN?

Viel wird inzwischen darüber diskutiert, wie man Klimaneutralität erreichen kann und immer auf unseren schönen Stadtwald verwiesen, mit dem dies leichter zu erreichen wäre. Das Ziel Klimaneutralität ist ein guter Ansatz, kann aber nur der erste Schritt sein. Bezogen auf die Entwicklung des Klimas und die Erderwärmung ist dies (wenn es die einzige Maßnahme bliebe) aber ein Schuss nach hinten. 

Foto: Darius Krause, Pexels

Foto: Kostiantyn Li, Unsplash

Klimaneutralität verändert die Menge an CO2 in der Atmosphäre nicht, sondern hält sie im besten Fall konstant. Die Menge des eingesparten CO2 durch die Nutzung alternativer klimafreundlicher Energien (z.B. Wind- oder Solaranlagen) und natürlicher Kohlendioxidspeicher (z. B. Bäume), ist im Idealfall so groß wie die in der Gegenrechnung wieder an die Atmosphäre gegebenen Treibhausgase.

Das bereits schon jetzt in der Atmosphäre vorhandene CO2 würde für viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte weiterhin die Erde erwärmen. Die Ursache ist, dass Kohlendioxid sehr lange in der Atmosphäre bleibt. Die weitere Erderwärmung würde aufrechterhalten bleiben.

Entscheidend ist deshalb, dass nicht nur Klimaneutralität angestrebt wird, sondern dass zusätzlich CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden muss. Damit kann man den Anstieg der Erderwärmung verlangsa-men, sogar begrenzen und langfristig das Klima stabilisieren. Das geht aber nicht von heute auf morgen, sondern dauert Jahrzehnte (wenn es gelingt). 

WELCHE BEDEUTUNG HAT DAS ALLES FÜR KÜHLUNGSBORN?

Hier gibt es zwei Ansatzpunkte: Erstens die Reduzierung der Treibhausgase durch Erreichen der Klimaneutralität sowie Maßnahmen der Entziehung von CO2 aus der Atmosphäre. Der zweite Ansatzpunkt ist die Anpassung an den Klimawandel.


VERRINGERUNG DER TREIBHAUSGASE

Hierzu zählt zum Beispiel der weitere Ausbau des Nahverkehrs, der möglichst allen Bürgern, egal wo sie in Kühlungsborn wohnen, die Nutzung ermöglicht. Zusätzlich müssen alternative Fortbewegungsmittel wie das Fahrrad durch stärkeren Ausbau der Radwege und der Vorrang des Radverkehrs vor dem Kfz-Verkehr gefördert werden. Weiter tragen klimafreundliche Auflagen bei neuen Bauvorhaben (Materialien, Größe der versiegelbaren Baufelder usw.) durch Anpassung der Bebauungspläne zur Erreichung der Ziele bei. Dazu gehört auch der Umbau der Energiesysteme (z. B. Solaranlagen, Luft-Wärmepumpen usw.) Darüber hinaus muss die Öffentlichkeitsarbeit drastisch verbessert werden, damit man die Bürger mitnehmen kann. Denn ohne die Bürger ist das Vorhaben wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt.

Was haben die Klimafolgen für Auswirkungen auf Kühlungsborn?

Durch das Anlegen von Feuchtgebieten kann der Atmosphäre gefährlichen Kohlkendioxid entzogen werden, Foto: Tyler Butler, Unsplash

Weitere Punkte sind die Entziehung von CO2 aus der Atmosphäre durch die Förderung von Anpflanzungen (Durchführung auch auf städtischem Boden), sowie die Rücknahme von Versiegelungen des Bodens wo immer möglich und Ersatz durch CO2-speichernde Pflanzen (z. B. Laubbäume und Sträucher). Ebenso ist zu prüfen, wo Feuchtgebiete angelegt werden können, die der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen. Dies alles sind nur Beispiele, die die Möglichkeiten Kühlungsborns aufzeigen. Sicher gibt es noch mehr davon.

ANPASSUNG DES TOURISMUS AN DEN KLIMAWANDEL

Der wichtigste Wirtschaftszweig Kühlungsborns ist der Tourismus, der auch stark vom Klimawandel betroffen sein wird. An dieser Stelle können erstmals nur Vermutungen und Prognosen angestellt werden, die aber unter Berücksichtigung aller Konsequenzen, die sich aus dem Kampf gegen die Erderwärmung ergeben, eine relativ hohe Eintrittswahrscheinlichkeit haben.

Da wäre zum Beispiel die dauerhafte Erhöhung der Energiepreise, die Kosten der staatlichen Maßnahmen, die sich insgesamt auf die Preisentwicklung auswirken werden und staatliche Verordnungen zur Verringerung der Treibhausgase (direkt und indirekt). 

Ein Beispiel zu letzterem ist die CO2- Abgabe auf Treibstoffe, die sich in Zukunft jährlich erhöhen wird. 

Hier ist es schon aus Platzgründen nicht möglich, alle Aspekte aufzuzeigen. Aber eines dürfte klar sein. Die verfügbaren Mittel der Bevölkerung für Urlaubsreisen werden mittelfristig durch die Erhöhung der Lebenshaltungskosten vermindert. Dies wird sicher auch auf den Tourismus Kühlungsborns Einfluss haben. Zielgruppen werden sich ändern, manche werden ihren Urlaub verkürzen, weniger oft verreisen oder sich andere Ziele, die für sie preislich günstiger sind, suchen. Hierauf muss man sich vorbereiten, um diesen Wirtschaftszweig zu erhalten. Das Tourismuskonzept (Fortschreibung 2017), kann hierbei nicht mehr helfen. Es muss ein neuer Ansatz gefunden werden, und zwar schnell. Die Umsetzung eines neuen Marketingkonzeptes dauert Jahre und muss wirken, bevor viele unserer Gäste Kühlungsborn den Rücken gekehrt haben. Wahrlich keine leichte Aufgabe. 

Wenn wir sofort an die oben beschriebenen Maßnahmen herangehen, haben wir gute Chancen, auch in Zukunft unsere Wirtschaftskraft zu erhalten und einen Beitrag zur Verringerung der Erderwärmung zu leisten. 

Kühlungsborn kann die Welt nicht retten; aber wir können ein Zeichen setzen und somit einen Beitrag leisten, der andere zum Nachahmen und Mitmachen animiert. Nur so können wir global gesehen dieses Problem lösen. Denn wir Industrieländer haben es dem Rest der Welt auch eingebrockt.

Dr. Helmut Maisel

(Mai 2023)

Die Aktualität und Zielausrichtung des Tourismuskonzeptes muss hinterfragt werden


Status Quo

Die vorliegende Dokumentation gibt einen Überblick über den weltweiten Stand der Klimafolgenforschung. Sie soll die Diskussion versachlichen und Anhaltspunkte für anstehende Entscheidungen und Planungen in Kühlungsborn geben.

Dr. Helmut Maisel

(Januar 2023)

 

"Dieses Foto" von Unbekannter Autor ist lizenziert gemäß CC BY-NC-ND


Wo ist der Prinz,

der Kühlungsborn aus dem klimapolitischen Winterschlaf weckt?

Das KLIMA, beziehungsweise dessen Veränderung, nimmt immer mehr einen größeren Raum in öffentlichen Debatten ein, sei es im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen und in persönlichen Gesprächen. Bei der überwältigenden Zahl der Klimaforscher und auch bei der Mehrheit internationaler und nationaler Politiker wird der Klimawandel als das größte Problem der kommenden Jahrzehnte – und zwar global – angesehen.

Alle bisher diskutierten und teilweise schon beschlossenen Maßnahmen haben eines gemeinsam: Sie haben nur dann eine Chance, wenn alle mitmachen. Und alle heißt „wirklich alle“; alle Kontinente, alle Staaten, alle innerstaatlichen Gliederungen, alle Kommunen und – das Wichtigste – alle Menschen.

Um wenigstens zu versuchen, diesem Anspruch in Kühlungsborn etwas gerecht zu werden, hat die INITIATIVE ZUKUNFT eine Beschlussvorlage eingebracht, die am 29. September 2022 in der Stadtvertreterversammlung diskutiert und dann mehrheitlich abgelehnt wurde.

Wetterextreme häufen sich (Foto: George Desipris, Pexels)

Grafik: A. Menzel nach Gerhard Mester 2016

Hier ist nochmals der Text der Beschlussvorlage: „Die Stadtvertreter beschließen die Einrichtung eines Klimarates zur Prüfung der Möglichkeiten für Kühlungsborn, einen zusätzlichen Beitrag zur Verringerung des Klimawandels zu leisten.“ Dieser Klimarat, so war es geplant, arbeitet auf freiwilliger ehrenamtlicher Basis, so dass für die Stadt Kühlungsborn keinerlei Kosten entstehen. Er bekommt auch keinerlei Entscheidungsbefugnis, sondern nur ein Anhörungs- und Vorschlagsrecht. Die Aufgaben des Klimarates bestünden in der Analyse der kommunalpolitischen Entscheidungen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Klima (sowohl positiv als auch negativ).

Zusammenfassend: Die Stadtvertreterversammlung hat diesen Vorschlag mehrheitlich abgelehnt, obwohl er lediglich eine Unterstützung kommunalpolitischer Klimamaßnahmen darstellt; nochmals: ehrenamtlich, kostenfrei und ohne Entscheidungsbefugnis. Das hat uns geschockt!

  

Die Frage ist, warum die Mehrzahl der anwesenden Stadtvertreter so entschieden hat. Lediglich die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), die Kühlungsborner Liste (KL) und ein Vertreter der Grünen haben unsere Beschlussvorlage unterstützt. Über die Motivation der anderen Stadtvertreter kann man nur spekulieren, wobei vier Argumente als plausibel erscheinen.

(1) Sie haben kein Interesse an diesem Thema,

(2) Sie leugnen, dass es überhaupt einen menschengemachten Klimawandel gibt,

(3) Sie sind nicht ausreichend informiert (direkter ausgedrückt: Sie haben keine Ahnung)

(4) Sie wollen verhindern, dass die INITIATIVE ZUKUNFT mit ihrer Beschlussvorlage und den daraus folgenden Maßnahmen Erfolg hat.

Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allen vier Argumenten.

Die Häufigkeit von Extremwetterereignissen nimmt zu (Foto: Cocoparisienne / Pixabay)

Um die weitere Entwicklung zu verhindern, muss der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um 80% gesenkt werden. Dies bedeutet, dass wir drastische Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft vornehmen müssen.

Und genau dies ist unser Ansatz, der für manchen schwer nachvollziehbar ist. Für die Stadtvertreter, die das Geschick der Zukunft Kühlungsborn maßgeblich bestimmen, sind alle in diesem Artikel zur Verfügung gestellten Informationen von essenzieller Bedeutung (aber leider noch nicht ausreichend). Man muss sich weiter informieren, um das gesamte Ausmaß des Einflusses der klimatischen Veränderungen erfassen und begreifen zu können. Die erste (und im schlimmsten Fall letzte) Chance haben Sie mit ihrem Abstimmungsverhalten schon verspielt.

Dr. Helmut Maisel

(Oktober 2022)